Einmal im Monat Mind-Body Medizin per Mail
Immer zur Monatsmitte erscheint mein Newsletter mit dreierlei Informationen:
Für den Kopf: Erklärungen und Erkenntnisse aus Praxis und Forschung, Mind-Body Medizin in der aktuellen Berichterstattung, Buch-, Video-, Podcast-Empfehlungen.
Für Herz und Körper: Eine kleine Übung oder einen Impuls für die alltägliche Anwendung
Für den Kalender: Ausgewählte Termine für meine aber auch für andere relevante Veranstaltungen, Vorträge, Workshops, Kurse, Konferenzen
Alle Kalendereinträge gibt es auch unter Aktuelles.
Weiter unten auf dieser Seite befindet sich das Newsletter Archiv.
Newsletter Anmeldung
Wenn Du meinen Newsletter erhalten möchtest, schreib‘ mir eine Mail an nancy(at)nancybailey.org
Du kannst ihn selbstverständlich jederzeit ohne Angabe eines Grundes per Mail auch wieder kündigen.

Juli 2026
“Während Hitzeperioden wird das Gesundheitssystem verstärkt in Anspruch genommen, es kommt zu vermehrten Krankenhauseinweisungen und Menschen sind in ihrer Produktivität und ihrem Wohlbefinden stark eingeschränkt. Besonders anfällig sind ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, Diabetes und neurologischen Erkrankungen.” (Quelle: https://www.aerztekammer-bw.de/hitze)
Auf den Webseiten des Robert-Koch-Instituts findet sich ein Schaubild, welches anhand von Daten zu Hitzeassoziierten Notaufnahmevorstellungen zeigt, was wir seit Juni diesen Jahres in Deutschland an Hitze erlebt haben: Eine noch nie so dagewesene Situation.
Was hilft uns da die Mind-Body Medizin?
Für den Kopf: Unsere Körperwahrnehmung
Es ist nichts Neues und doch immer wieder gut für eine Erinnerung: Wer über eine gute Körperwahrnehmung verfügt und gleichzeitig weiß, wie er Körper und Geist bewusst regulieren kann, unterstützt damit die unbewusst ablaufenden Prozesse seines Körpers. Was gehört zur Regulation bei starker und langanhaltender Hitze? Eine ausreichende Flüssigkeits- und Salzzufuhr, sanfte Bewegung für den Kreislauf und Stoffwechsel, regelmäßige Pausen, sorgfältig gesetzte Prioritäten, eine innere Haltung der Ruhe.
Die Mind-Body Medizin fördert innere Ruhe und fordert dazu auf, sich in dieser Ruhe mit dem eigenen Körper zu befassen. Das heißt es geht darum, zu spüren, wo es eng, heiß, angespannt, verknotet, taub, schmerzhaft ist, und darum, dies beschreiben und benennen zu können. Im letzten Schritt treten wir in einen Dialog mit dem Körperteil und mit dem Symptom bzw. der Empfindung, die sich präsentiert. Diese aufgeschlossene Neugier führt automatisch in die Entspannung und in ein intuitives Wissen, was der Körper jetzt braucht.
Für Herz und Körper: Dialog mit einem Symptom
Die folgende Übung eignet sich nicht nur bei akuten Beschwerden, sondern ist eine schöne Möglichkeit, in einem geschützten Raum die eigene Körperwahrnehmung zu schulen, so dass es Euch auch in öffentlichen Räumen und stressigen Situationen gelingt, schnell in den Kontakt mit Eurem Körper und seinen Bedürfnissen zu kommen.
- Setzt oder legt Euch entspannt hin, achtet für etwa acht Atemzüge auf Euren Atem. Ohne etwas zu forcieren, werdet Ihr spüren, wie sich alleine durch Eure wohlwollende Achtsamkeit der Atem langsam vertieft.
- Führt nun einen Body-Scan von oben nach unten oder unten nach oben durch. Spürt in jeden Körperteil von den Zehenspitzen über die Beine, den Bauch, Brustkorb, die Arme und Hände, Rücken, Nacken und Kopf und alle Gelenke hinein. Wo fließt Eure Aufmerksamkeit, wo bleibt sie stehen, wie fühlt es sich dort an?
- Wählt einen Körperteil aus, wo Eure Aufmerksamkeit stehen bleibt. Beschreibt innerlich, wie es sich dort anfühlt und tretet mit dem Symptom bzw. Eurer Wahrnehmung in einen Dialog. Was möchte Euch das Symptom sagen? Was fehlt? Was ist zu viel? Was liegt noch im Verborgenen und möchte gehört werden? Erlaubt Euch etwa acht Atemzüge Zeit für eine Antwort und kommt dann mit weiteren acht Atemzügen wieder auf Eurem Stuhl oder Sofa an.

Newsletter Archiv
Juni 2026
Vor ein paar Jahren hat der Vagus-Nerv über verschiedene Veröffentlichungen auf dem Buchmarkt und auf YouTube das Bewusstsein des Mainstream erreicht. Er ist der größte Nerv im menschlichen Körper, gehört zum Parasympathikus und stellt die Hauptkommunikationsleitung zwischen dem Körper und dem Gehirn her; dabei gehen 80% der Signale vom Körper zum Gehirn und 20% in die andere Richtung.
Vagus kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „Wanderer“. Wie der Amazonas, ein Fluss mit vielen Nebenarmen, reichen seine verzweigten Nervenenden in die verschiedensten Gegenden unseres Körper: Gesicht, Ohren, Hals, aber auch Lunge, Herz, Kehlkopf, sowie Magen, Leber, Milz, Nieren und der gesamte Darm sind an ihn angeschlossen. Sind wir entspannt und ausgeglichen, dann regelt er die Aktivitäten aller genannten Organe.
Tanzpartner des Parasympathikus ist der Sympathikus, ein Nervensystem, welches sich im Rückenmark befindet und hauptsächlich über die Regulation des Atems und der Herzfrequenz den Körper aktiviert, wenn er erregt ist: vor freudiger Aufregung, Verliebtsein, beim Sport, aber auch vor Wut, Trauer, Angst.
Lange Zeit hieß es, diese beiden Komponenten des Autonomen Nervensystems, Sympathikus und Parasympathikus, ließen sich nicht willentlich beeinflussen. Tatsächlich bietet vor allem der Parasympathikus über den Vagus Nerv viele Möglichkeiten, sich über Druck- und Massagepunkte, Wärmebehandlung und eine ausgewählte Ernährung willentlich in einen entspannten Zustand zu bringen.
Die Mind-Body Medizin hat diese Wissen integriert und nutzt vor allem Bewegung und Atmung, um den Vagus Nerv zu stimulieren.
In diesem ca. vierminütigem Video werden zwei konkrete Übungen vorgestellt, die ihr gerne ausprobieren könnt. Außerdem seht ihr eine schöne Darstellung des Vagus im Körper.
Stephen Porges ist Wissenschaftler und Professor für Psychiatrie an verschiedenen Universitäten in den USA, sowie Gründer des Traumatic Stress Consortium. 1994 formulierte er die Polyvagal Theorie und bereitete damit den Weg zu unzähligen Forschungsarbeiten, Behandlungsformen und Übungen, die den Vagus einbeziehen.
Der obere Teil des Vagus auch Ventral-Vagus genannt gehört zu unserem sogenannten Social Engagement System, unserem Sozialbeziehungssystem. Zu diesem System gehört die Verarbeitung von Gesichtsausdruck, Augenkontakt, Kopfhaltung und Prosodie, d.h. die Lage, Melodie und Ausdruck der Stimme. Anders gesagt, wir signalisieren über unser Gesicht und unsere Stimme, wie entspannt und offen wir sind. Gleichzeitig nehmen wir auch den Zustand unserer Mitmenschen über ihren Gesichtsausdruck und ihre Stimme wahr. Somit können wir uns selbst und gegenseitig regulieren.
- Schenkt euch die nächsten Wochen jeden Morgen ein Lächeln. Das kann, muss aber nicht vor dem Spiegel sein. Der Vagus Nerv nimmt das Lächeln auch von innen wahr.
- Achtet darauf, dass Ihr das Lächeln nicht erzwingt, lächelt lieber ein ganz kleines, leises, gerne auch ein müdes oder zwinkerndes oder verhaltenes Lächeln, als ein unechtes großes Lächeln. Spielt ein bisschen, probiert verschiedene Arten des Lächelns aus.
- Beobachtet Euren Körper, wie er sich dabei fühlt, was dabei passiert – vor allem, wenn Ihr dies täglich durchführt. Wenn Ihr möchtet, schenkt anderen Menschen ganz bewusst ein inneres oder ein äußeres Lächeln und schaut, was dann passiert.
Mai 2026

Für den Kopf: Mind-Body, Integrative, Alternative, Schul-Medizin und Naturheilkunde
Wie jede gesunde Wissenschaft entwickelt sich auch die Medizin im Lichte neuer oder wiederentdeckter Erkenntnisse weiter, und dies schlägt sich nieder in den Prozeduren, Medikamenten und der Sprache, die in Verwendung sind.
Die etablierte Schulmedizin meint die in Westeuropa in Wort, Schrift, Lehre, Praxis und Forschung entwickelte Medizin, welche vornehmlich durch Männer begründet, geschützt und gefördert und schließlich in alle Herren Länder exportiert wurde. Die weltweit älteste heute noch in Betrieb befindliche medizinische Hochschule, L’Université de Montpellier, Frankreich, wurde 1220 gegründet. Wesentlich älter mit einem Gründungsjahr von 271 AD ist jedoch die Universität Jundishapur, dem damaligen Persien und heutigen Iran. Sie zeichnete sich durch ein sehr vielseitiges Behandlungs-, Lehr- und Forschungsprogramm aus und zog damals Studenten aus Griechenland, dem römischen Reich, Ägypten, Indien und China an.
Der Begriff der Alternativen Medizin (auch manchmal Komplementärmedizin genannt) ist ein Sammelbegriff für alle Arten von Anwendungen und Behandlungen, die nicht gelehrt werden, z.B. Wickel, Bäder, Ayurveda, Akupunktur, Entspannungstechniken und die Homöopathie. Mittlerweile gibt es eine Bewegung weg von dem Begriff „alternativ“ – denn wenn es wirkt, dann gehört es klar zur Medizin dazu, und wenn es nicht wirkt, dann ist es auch keine Alternative und definitiv keine Medizin.
Zur Naturheilkunde gehören die Pflanzenheilkunde, Bewegungstherapie, Aromatherapie, Heilfasten und eine gesunde Ernährung. Weder die Homöopathie noch die Anthroposophische Medizin werden dazu gerechnet.
Die Integrative Medizin ist die Medizin der Zukunft. Sie gründet sich auf einem ganzheitlichen Menschenverständnis und kombiniert evidenzbasierte, also wissenschaftlich anerkannte, Behandlungen aus der Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Mind-Body Medizin mit denen aus der Schulmedizin. Anders gesagt, die medizinische Behandlung der Zukunft wird ergänzend und synergistisch sein, die einzelnen Zweige stehen nicht in Konkurrenz zueinander.
Für Herz und Körper: Der Geruchsinn in der Mind-Body Medizin und in der Naturheilkunde
Der Geruchsinn ist der älteste und intimste aller unserer Sinneswahrnehmungen: Geruchzellen nehmen mit ihrer Zellmembran direkten Kontakt zu den Duftstoff-Molekülen aus der Umwelt auf und leiten den Reiz direkt an das limbische System im Gehirn, welches u.a. für die Verarbeitung von Emotionen und Erinnerung zuständig ist.
In der Naturheilkunde wissen wir, dass Lavendel und Vanille beruhigend wirken und der Duft von Zitrusfrüchten wie Orange, Grapefruit und Zitrone belebend. In der Mind-Body Medizin wird zwar nicht direkt mit dem Geruchsinn gearbeitet, aber mit der Kraft unserer Vorstellung und Erinnerung, die so weit geht, dass wir einen Geruch innerlich abrufen können, auch wenn er aktuell nicht vorhanden ist.
- Notiert Euch zwei oder drei Gerüche/Düfte, die für Euch mit einer besonders glücklichen Erinnerung verbunden sind, z.B. der Duft von Plätzchen, der Babygeruch Eurer Kinder, die salzige Meeresluft einer besonderen Urlaubsreise.
- Wählt eine dieser Erinnerung und schmückt sie gedanklich mit weiteren Details aus: mit Licht, Farben, Klängen, dem Gesicht eines geliebten Menschen.
- Wann immer Ihr eine innere und/oder äußere Unruhe, ein Unwohlsein, eine Aufgeregtheit, Entscheidungsunfähigkeit an Euch bemerkt, holt den Duft und die Erinnerung hervor und verbringt 2-3 Minuten mit ihr. Was stellt Ihr fest?
April 2026
Mitte März erschien auf RiffReporter.de ein Artikel zum Thema Meditation, der wenig später auch auf gmx.net veröffentlicht wurde. Die Reporterin Sonya Winterberg beginnt das Stück mit dem Hinweis, dass die millionenschwere Marktpräsenz von Meditationsangeboten in Form von Apps und Kursen uns zeigt, dass wir nicht mehr von einem Nischenphänomen sprechen. Sie verweist dann auf eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2022, welche aufzeigt, dass Meditation auch „health-inhibiting adverse effects“ haben kann, also gesundheitsschädliche Gegenanzeigen. Ihre weitere Recherche zeigt, dass die Bandbreite an Meditationstechniken enorm und tatsächlich nicht alles für alle geeignet ist. Den ganzen Artikel findet Ihr hier.
Und welche Rolle spielt Meditation in der Mind-Body Medizin?

Für den Kopf: Meditation als Schlüssel zur Entspannung
In den verschiedenen Kulturen, Religionen und Glaubensgemeinschaften der Welt werden mehr als 300 verschiedene Meditationstechniken beschrieben (Quelle: https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2019.02276/full). Ein paar dieser Techniken haben ihren Weg in die Mind-Body Medizin gefunden: Soft-Belly Breathing (weiche Bauchatmung), Body-Scan und die Bewegungen aus dem Qi Gong wirken regulierend auf das Nervensystem und entspannen somit den Körper. Dass dabei auch Unruhe, schwierige Gefühle und Gedanken hochkommen können, gehört zum Prozess dazu. Unter ausgebildeter Anleitung und/oder in der Gruppe stellt dies für die meisten Menschen kein Problem dar, sondern ist Teil des Genesungsweges. Wer in psychiatrischer Behandlung ist oder Bedenken hat, sollte sich jedoch vor der Anwendung mit seinem Arzt und/oder Therapeuten dazu besprechen.
Dr. Herbert Benson, Begründer der Mind-Body Medizin, definierte Meditation als eine Aktivität, die drei Merkmale hat:
1. Ein sich wiederholendes Element wie der Atem, ein Gedanke oder eine Bewegung.
2. Die achtsame Durchführung des sich wiederholenden Elementes.
3. Die sanfte Rückführung zurück zur achtsamen Durchführung des sich wiederholenden Elementes, wann immer Geist und Körper abschweifen.
Damit sind das Beten des Rosenkranzes, aber auch das Stricken oder das Kehren der Straße mit einem Besen eine Form von Meditation.
Für Herz und Körper: Die Meditation
Im Grunde genommen ist eine Meditation eine Übung, um ins „unvoreingenommene Sein“ zu kommen, einen Zustand ohne Nachdenken, Grübeln, Planen, Kommentieren, Analysieren, Beschreiben und Bewerten. Wir kennen diesen Zustand aus einer Zeit, in der wir noch ohne Sprache gelebt haben: Unserer eigenen frühesten Kindheit.
1. Findet eine Tätigkeit in Eurem Alltag, die bereits meditative Merkmale hat, z.B. Putzen, Geschirrspülen, Kartoffeln-Schälen, Haare-Bürsten, Rasenmähen…Ihr wisst, was ich meine…
2. Immer wenn Ihr diese Tätigkeit ausübt, widmet Euch voll und ganz dieser Tätigkeit, d.h. ohne (Selbst-) Gespräche und ohne mentale To-Do-Listen. Je tiefer die Entspannung, desto mehr an unverarbeiteten Gedanken und Gefühlen kann hochkommen, das ist aber bei dieser sehr sanften Form der Meditation unwahrscheinlich. Sollte es doch unangenehm werden, einfach die Tätigkeit kurz unterbrechen und später in gewohnter Form wieder aufnehmen.
3. Wenn Ihr wollt, schreibt anschließend auf, wie diese Erfahrung für Euch war. Falls Ihr es schafft, so eine Übung täglich für wenigstens ein paar Minuten durchzuführen, könnt Ihr beobachten, wie Ihr Euch nach einer, zwei, vier Wochen fühlt.
März 2026
Ende November 2025 hat die Techniker Krankenkasse den TK-Stressreport 2025 veröffentlicht. Aus diesem geht hervor, dass 66% der Erwachsenen in Deutschland sich regelmäßig gestresst fühlen, in der Altersgruppe der 18- bis 39-jährigen sind es sogar 83%. Bei Kindern und Jugendlichen, die in diesem Report nicht berücksichtigt wurden, sieht es seit der Corona-Pandemie und der wachsenden Nutzung digitaler Gaming-Angebote und Social Media noch bedenklicher aus. (Quelle: https://www.gmx.net/magazine/wissen/psychologie/bericht-angststoerungen-kindern-deutlich-zugenommen-41667890
Gleichzeitig platzt das Hilfesystem, d.h. die Versorgung durch Therapeuten und Psychiater in Praxen und Kliniken, aus allen Nähten. (Quelle: https://www.gmx.net/magazine/politik/inland/deutschland-psychiatrie-problem-41538528)
Aber was genau ist Stress nochmal?

Für den Kopf: Mind-Body Medizin und Stress
Stress bezeichnet einen Zustand der inneren Erregung als Reaktion auf eine Situation, die konzentriertes und kraftvolles Handeln erfordert. Der Stress ist also tatsächlich nicht in der Situation, sondern im Körper. Stress an sich ist außerdem sehr sinnvoll, wenn es darum geht, sich zu verteidigen, zu fliehen und zu jagen. Die Sehkraft nimmt zu, der Fokus verengt sich, das Blut und alle inneren Ressourcen werden den Organen zur Verfügung gestellt, die jetzt gefordert sind: hauptsächlich den Muskeln des Bewegungsapparates und unserem Herzen.
Einsamkeit, d.h. ein Mangel an regelmäßigen sozialen Kontakten, vertrauensvollen Beziehungen und Freundschaften, sowie Umarmungen und Berührung, führt auch zu einer Stressantwort im Körper. Wir Menschen sind soziale Tiere. Es ist die Unterstützung und Zusammenarbeit der Gruppe, die unser Überleben gesichert und uns so erfolgreich gemacht hat. Ein Säugling könnte alleine nicht überleben, die Zuwendung der Mutter, des Vaters, der Familie hat einen großen Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung des heranwachsenden Menschenkindes.
Sechzig Jahre bevor Herbert Benson die „relaxation response“ (Entspannungs-Antwort), die Grundlage der Mind-Body Medizin beschrieb, hatte Walther B. Cannon im selben Labor an der Harvard University die „stress-response“ untersucht und dabei Adrenalin als einen wichtigen Botenstoff identifiziert.
Macht Stress krank? Dauerhafter, d.h. chronischer Stress ist ein Zustand anhaltender innerer Anspannung. Wer diese Anspannung nicht durch Bewegung abbaut, in anderen Worten die bereitgehaltene Energie fließen lässt, der spürt diesen Spannungs- und Energiestau u.a. als innere Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz. Der Blutdruck ist erhöht und das Herz wird belastet.
Welche Auswirkungen chronischer Stress auf das Herz haben kann, erklärt Prof. Dr. med. Gustav Dobos in diesem 4-minütigen YouTube Video: Das gestresste Herz.
Für Herz und Körper: Die Bewegung
Neben der Atmung ist die Bewegung eine wichtige Säule in der Mind-Body Medizin. Manchmal ist die passende Antwort auf Anspannung, Stress und Aufregung nicht Beruhigung, sondern Bewegung:
1. Wann immer Ihr Euch erinnert, beginnt und endet Euren Tag in den nächsten vier Wochen mit folgender Übung: Ihr stellt Euch mit den Füßen hüftbreit auf und geht leicht in die Knie. Die Arme hängen locker an der Seite herunter. Die Füße bleiben fest am Boden, aus den Knien wippt Ihr leicht auf und ab und schüttelt Euch dabei etwa zwei Minute ganz sanft aus.
2. Nach der Übung nehmt Ihr die Füße zusammen und spürt der Bewegung etwa eine Minute nach. Was nehmt Ihr an Euch wahr? Wie fühlt es sich im Körper an? Welche Gefühle und Gedanken sind vielleicht gekommen?
3. Wenn Ihr wollte, macht Euch ein paar Notizen, vielleicht beobachtet Ihr ein Muster oder eine Veränderung über die vier Wochen hinweg. Gerne könnt Ihr mir dazu schreiben.
Februar 2026

Für den Kopf: Was ist Mind-Body Medizin?
Die Mind-Body Medizin greift auf das ganzheitliche Körperverständnis antiker und indigener Gesundheitslehren zurück, untermauert und erweitert durch die Erkenntnisse moderner Medizin. Sie entstand aus der Stressforschung an der Harvard Medical School Ende der 60er Jahre. Dr. med. Herbert Benson untersuchte damals den Effekt von Meditation auf den Blutdruck und musste entgegen der damaligen medizinischen Lehrmeinung feststellen, dass Meditation den Stoffwechsel, sowie Atem- und Herzfrequenz und Hirnaktivität reduziert. Er nannte diesen Prozess die „relaxation response“, also die Entspannungs-Antwort.
Bis heute engagiert sich das Benson-Henry Institute for Mind-Body Medicine für die Integration der Mind-Body Medizin in die klassische Schulmedizin an Krankenhäusern in der ganzen Welt. So gibt es zum Beispiel in Essen die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Patientinnen und Patienten erhalten hier eine individuelle, ganzheitliche Behandlung inklusive Mind-Body Medizin.
Auch an der Uniklinik Ulm gibt es mittlerweile ein 10-wöchiges Mind-Body Medizin Angebot für Menschen mit einer Krebserkrankung oder einer chronischen Erkrankung, wie z.B. Adipositas, Diabetes oder Depressionen.
1991 wurde dann das Center for Mind-Body Medicine von Dr. med. James Gordon gegründet. Dies hat mit nunmehr 145 MBM Trainern mehr als 7,000 ÄrztInnen, LehrerInnen und Führungskräfte ausgebildet, um an den Krisenherden in der Welt Hunderttausenden akut traumatisierten Menschen mit dem CMBM-Modell evidenzbasierte Techniken zur Reduzierung und Auflösung von Stresszuständen, Angststörungen und Depressionen an die Hand zu geben.
Mittlerweile wird das 8- bis 12-wöchige Programm des CMBM nicht nur akut traumatisierten Menschen, sondern allen angeboten, die etwas für ihre Gesundheit, ihre Lebensqualität und ihre Resilienz tun möchten.
Ich habe meine Ausbildung vom CMBM erhalten, die Grundlagen sind dieselben wie die des Programms am Benson-Henry Institute:
1. Körper und Geist sind nicht voneinander trennbar sondern in wechselwirkenden Prozessen miteinander verwoben und nehmen so aufeinander Einfluss.
2. Gesundheit ist keine objektiv messbare Eigenschaft, sondern ein subjektiv erlebter Seins-Zustand, auf den ich selbst großen Einfluss habe.
3. Die soziale Unterstützung und der schützende Raum der Gruppe spielt eine große Rolle beim Erlernen von Mind-Body Techniken und auch bei den Genesungsprozessen.
Schaut Euch auch gerne dieses 2min Youtube-Video an, in welcher Prof. Dr. med. Esch über die Mind-Body Medizin an der Uniambulanz Witten spricht.
Für Herz und Körper: Der Atem
Der Atem ist das Werkzeug schlechthin, wenn es um Selbstregulation geht. Er verbindet unsere bewusste Absicht mit den unbewussten Abläufen unseres Körpers. Anspannung oder Entspannung, Aktivität oder Ruhe: Der Körper folgt dem Atem und nicht umgekehrt. Es gibt unzählige Atemübungen für die Konzentrationssteigerung, zum Wachwerden und Warmwerden, für die Beruhigung, das Einschlafen, die Hypnose. Euer Impuls für den Monat bis zum nächsten Newsletter sieht so aus:
1. Wann immer Ihr Euch erinnert: Achtet auf Euren Atem. Ist er flach oder tief? Angestrengt, entspannt, angehalten? Was fällt Euch auf?
2. Tut nichts, außer Euren Atem neugierig und liebevoll zu beobachten, ihn zu fühlen und ihm nachzuspüren. Was passiert in dem Moment, wenn ihr Euch Eures Atems bewusst werdet? Und was passiert danach?
3. Wenn Ihr wollt, macht Euch ein paar Notizen und/oder schreibt mir, wie es Euch mit diesem Impuls ging. Wie oft am Tag habt Ihr Euren Atem wahrgenommen? Wie leicht oder schwer fiel Euch dies?

Rechtliches